Scrum Usergroup: Nachbetrachtung vom 22.06.2011

Rubrik: Veranstaltungen, Allgemeines

Von: Christian Nolte

Das Treffen am 22.06. der Scrum Usergroup an gewohnter Stelle im Restaurant 
Zucker gestaltete sich erneut als sehr spannend. Die folgenden Themen wurden 
in lockerer Runde diskutiert: 

* Notwendigkeit eines Erfahrungsaustauschs in einer Art "Scrum of Scrums" in dem 
sich Projektteilnehmer in ihren unterschiedlichen Rollen austauschen können 
und so den gedanklichen Horizont erweitern können. Hier bestand Einigkeit darin, 
das solche Treffen sehr sinnvoll sind und sich hier natürlich auch die 
Scrum Usergroup selbst als Plattform anbietet. 

Weiterhin kam der Gedanke auf die Entwicklerteams nach einigen Sprints zu 
mischen um so unterschiedliche Sichtweisen und Erfahrungsstände verteilen 
zu können. 

* Das Thema Tools für das Konfigurations- und Change-Management und der Umgang 
mit Branching und Integration von Features wurde besprochen. Insbesondere 
die Tatsache, dass Tools oft von der Unternehmensseite her vorgegeben werden 
führt dazu, dass die Entwickler unterschiedliche Vorangehensweisen entwickeln 
(müssen) um mit bestimmten Restriktionen in der Praxis gut zurecht zu kommen. 

Ein klassischer Fall von Impediments die immer wieder in der Praxis auftauchen. 
Sofern machbar sollte hier von Fall zu Fall die Möglichkeit der Unternehmens- 
leitung geschaffen werden, dass ein höherer Grad an Flexibilität für 
Entwicklerteams geschaffen werden kann um z.B. State-of-the-art Tools wie 
z.B. Git oder Subversion nutzen zu können, die nicht umsonst im Open-Source- 
Umfeld eine hohe Verbreitung erfahren. 

* Die Tool-Frage mündete weiterhin in die Diskussion über die notwendige 
"Rückendeckung" die durch die Geschäftsleitung und Management-Ebene erforderlich 
ist, um Scrum richtig erfolgreich zu machen. Es zeigt sich, das oftmals 
eine zumindest offizielle Rückendeckung und der Wunsch nach Scrum seitens 
des Managements exisitert, jedoch im Falle von Impediments öfter vor den 
Lösungen die das Team ermittelt zurückschreckt. 

Konkrete Fälle die hier aufkamen waren: Support der durch Entwicklerteams 
geleistet wird und das Team in der Arbeit stört. Die gefundenen Lösungen 
(z.B. ein Indikator für Dritte der anzeigt das man momentan ungestört 
arbeiten möchte -> USB-Ampel) funktionieren in der Praxis jedoch oftmals 
nicht. Das Telefon klingelt trotz einer roten Ampel und der Projektleiter 
der ein dringendes Anliegen hat, spricht den Entwickler trotzdem an obwohl 
die Ampel auf rot steht. 

Hier wurde darauf hingewiesen, das getroffene Vereinbarungen im Team nicht 
notwendigerweise direkt auf die Umwelt übertragen werden können. Das eine 
rote Ampel bedeutet das man nicht gestört werden möchte bedeutet für den 
Projektleiter nicht automatisch, das sein Anliegen auch auf anderen Kanälen 
erhört und umgesetzt wird. 

Auch ein klingelndes Telefon welches den Arbeitsfluss stört, erfordert 
bestimmte Lösungsansätze. Eine Möglichkeit besteht darin, im Team festzulegen 
wer den Telefondienst übernimmt. Dieser muss natürlich instruiert sein, wie 
genau er mit den entstehenden Anfragen umgehen kann. 

Die Frage der Störung in der konzentrierten Tätigkeit war insbesondere 
auf Entwicklerebene eine brennende. Der entstehende "Sägezahneffekt" 
stellt sich entsprechend als Impediment heraus und erfordert Fingerspitzen- 
gefühl insbesondere auch für den Scrum Master. 

Als Tipp für das Selbstmanagement sei hier nochmals die Pomodoro Technique 
genannt, die auf Detailebene eine gute Unterstützung in der täglichen 
Planung gibt. www.pomodorotechnique.com 

* Notwendige Kompetenzen eines Scrum Masters waren ebenfalls von Interesse: 
Sinnvollerweise hat der Scrum Master über das Maß der Zertifizierung 
entpsrechende Soft Skills und kommunikative, sowie auch diplomatische 
Fähigkeiten die man nicht im Zertifizierungskurs erwirbt. 
Gleichzeitig wurde noch auf die Tatsache hingewisesen, dass 
der Scrum Master das Team und dadurch die Organisation anleitet Probleme 
selbststänig zu beseitigen um den maximalen Effekt zu haben. Oft wird in der 
Praxis aus kostengründen und der Einfachheit halber dazu übergegangen 
jemanden aus dem Team zu bestimmen der den Scrum Master macht. In der Praxis 
steht diesem dann meistens ein Interessenskonflikt bevor, da er selbst auch 
im Team ist. Fehlt dann noch die notwendige Rückendeckung der Führungsriege 
kann der Scrum Master seine Effektivität nicht voll ausspielen. 

Sinnvoll ist hier der Einsatz eines externen Scrum Masters um insbesondere 
auch den sich einstellenden "Tunnelblick" zu verhindern und jemanden in 
die Organisation zu holen der sich "die Hände schmutzig machen kann". 

Ziel ist es letztendlich, das sich der Scrum Master selbst "wegrationalisiert". 

* Der Umgang mit Änderungen während des Sprints war ein weiteres Thema. Die 
Grundidee des Scrum Frameworks besteht darin dynamische Änderungen im Projekt- 
ablauf zu unterstützen und ist eines der Kernelemente. Daher sollte die 
Tatsache das sich auch in einem laufenden Sprint noch etwas ändern kann vom 
Team immer wieder berücksichtigt werden. In der Praxis stellt dies für das 
Team oft eine Schwierigkeit dar. Es kann auch dazu kommen das sich durch 
ständige Änderungen ein gewisser Frustrationsgrad einstellt. Hier ist 
insbesondere auch von Seiten des Product Owners Fingerspitzengefühl gefragt 
und er sollte außerdem Feedback vom Team in dieser Richtung ernst nehmen. 
Es ist oft so, dass vom Team sehr sinnvolle Ideen für die Weiterentwicklung 
bestehen die ein enstprechendes Forum benötigen. Es bietet sich daher an, 
das der Product Owner bei den Daily Standups teilnimmt um eine schnelle 
Reaktion zu ermöglichen. 

In der Praxis ist es oft so, dass der Product Owner nicht immer zu greifen 
ist, oder sogar manchmal nur halbtags oder örtlich getrennt arbeitet (Off-Shore). 
Über den Einfluss von räumlicher Trennung wurde ebenfalls gesprochen und 
es bestand Einigkeit darin, dass bereits eine Hürde besteht, wenn das 
Entwicklerteam z.B. über einen Flur in unterschiedliche Räume "verteilt wird". 

Der Einfluss erstreckt sich natürlich auch auf den Product Owner. Er sollte 
für das Team permanent greifbar sein. Daher ist diese Rolle auch als 
Full Time Job definiert (anders als z.B. beim Scrum Master, der durchaus 
mehrere Teams parallel betreuen kann) 

Alles in Allem war es wieder mal ein sehr interessantes Treffen bei dem viele 
neue Ideen entstanden. Ich möchte mich an dieser Stelle bei allen Teilnehmern 
für die interessanten Themen und offene Teilnahme an den Diskussionen bedanken. 

Weiterhin hoffe ich, dass ich alle Themengebiete entsprechend hier wiedergegeben 
habe. 

Die nächste Usergroup wird voraussichtlich im September statt finden, nachdem 
der wohlverdiente Jahresurlaub bei den meisten von uns leider schon wieder 
hinter uns liegen wird ;)

24.06.11 13:44 Alter: 243 days
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